Das Paretoprinzip (auch 80/20-Prinzip) für Studierende

Das Paretoprinzip besagt, dass 80% der Arbeit in 20% der Zeit erledigt werden kann. Für die übrigen 20% der Arbeit werden die restlichen 80% der Gesamtzeit benötigt, diese sind also viel aufwändiger. Was bedeutet das für Studierende?

„Mut zur Lücke“ ist ein beliebter Ratschlag von älteren Studierenden an Erstsemestrige, die sich auf die Assessmentprüfungen vorbereiten sollen. Aber wenn die Durchfallquote 50% beträgt, will man sich schlicht keine Lücken leisten. Und wenn die Zeit zur Prüfungsvorbereitung knapp wird, stellt sich die Frage, welche Lücke man denn überhaupt lassen soll. Dieser Rat hilft also nicht weiter. Wenn man nachfragt, kommt oft der Hinweis auf das Paretoprinzip.

paretoprinzip

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Lernmethoden einsetzen nach dem Paretoprinzip

Das Paretoprinzips lasst sich für den Lernstoff anwenden:

80% des Stoffes lässt sich durch traditionelle, einfache Lernmethoden lernen. Dazu gehören:

Für die restlichen 20% des Stoffes muss man…

  • entweder öfters wiederholen
  • oder andere Lernstrategien einsetzen.

Alternative Lernmethoden können sein:

Gemeinsam ist all diesen Alternativen, dass sie deutlich mehr Zeit benötigen als das einfache Auswendiglernen.

Studiere die alten Prüfungen, bevor du die restlichen 20% zu lernen beginnst

Nun kann man die zur Verfügung stehende Lernzeit nicht einfach gleichmässig auf den Stoff aufteilen. Statistik funktioniert beispielsweise nach aufbauendem Wissen. Wer t-Tests nicht versteht – der Vergleich zweier Gruppen – wird vermutlich Varianzanalysen – die Vergleiche mehrerer Gruppen – erst recht nicht verstehen. In der Biopsychologie II müssen Abläufe von Hormonsystemen und Co. gelernt werden, was mehr Zeit benötigt als das Einprägen aller Forschungsdesigns.

Bevor du nun anfängst, für die restlichen 20% des Stoffes deinen eigenen Gedächtnispalast zu bauen, empfehle ich eine gründliche Analyse der alten Prüfungen der letzten Jahre. Worauf legt der Professor oder die Professorin den Schwerpunkt? Welche Art von Fragen kommt jedes Jahr wieder vor? Wer sich die Prüfungsfragen genau ansieht, erkennt bald ein Muster. Lege beim Lernen entsprechend die Schwerpunkte. In Biopsychologie I wird nie nach dem Cladogramm für Primaten gefragt? Lass es beim Lernen weg. Konzentriere dich dafür auf die Hirngrösse der Säugetiere, den Ablauf der Entwicklung des Menschen oder was dir sonst auffällt..

Bonus: Das Paretoprinzip für Perfektionisten, oder: Produktiver sein mit dem Paretoprinzip

Ich bin eine Perfektionistin. Nicht in allen Bereichen, aber ich wende zum Beispiel mit Vergnügen 80% meiner Zeit auf, um eine schriftliche Arbeit oder eine Powerpointpräsentation „perfekt zu machen“. Bevor das Werk nicht einwandfrei ist, will ich es der Welt nicht zeigen. Da hilft mir auch nicht das Wissen, dass diese Werke nienienie perfekt sein können und werden. Würde ich ein halbes Jahr später den gleichen Vortrag halten müssen, fände ich diverse Folien, die ich noch besser gestalten könnte.

Kürzlich erklärte ich einer Freundin das Paretoprinzip, und dabei wurde mir klar, warum ich mich in Zukunft öfters mit den 80% der Arbeit begnügen sollte. Wenn ich nämlich nochmal 80% der Zeit für die Perfektionierung eines Projekts aufwende, habe ich am Ende ein einziges Projekt beendet. Reichen mir aber die 80%, kann ich mit den restlichen 80% nochmal vier Projekte ausführen.

Grafisch kann man das so darstellen:

perfektionist-vs-paretomeister

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Natürlich kann man diese Grafik nicht überall im Leben umsetzen. Meine Webdesignkunden wären sicher nicht erfreut, wenn ich ihnen unfertige Websites präsentieren würde. Wer die Bestnote in einer schriftlichen Arbeit oder bei einer Prüfung anstrebt, wird kaum darum herum kommen, die restlichen 20% durchzuackern. Trotzdem hilft mir diese Überlegung in vielen Bereichen, es auch mal gut sein zu lassen und der Welt mein nicht 100%ig perfektes Werk zu präsentieren. Wie diesen Blogbeitrag zum Beispiel. 🙂

Fazit

  • In 20% der Zeit kann mit einfachen Lernmethoden (Zusammenfassungen, Lernkarten, Mindmaps) 80% des Stoffes gelernt werden.
  • Für die restlichen 20% des Stoffes wirst du die verbliebenen 80% der Zeit aufwenden müssen.
  • Bevor du mit dem Lernen dieser 20% beginnst, studiere die alten Prüfungsfragen. Versuche, ein Muster und die Vorlieben der Dozierenden zu erkennen. Setze deine Schwerpunkte entsprechend.
  • Wiederhole die Inhalte dieser 20% öfters oder…
  • Wende alternative Lernmethoden (Merksätze, eigene Prüfungsfragen generieren, Austausch in Lerngruppen, Loci-Methode, Zusatzliteratur lesen) an.

Viel Erfolg beim Lernen!


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